Montag, 27. Mai 2019

Abschied von Marokko

Wir sind gut bis zum Schiff gekommen. Müssen noch lange warten, bis es los geht.

Ein Bootsfahrt die ist lustig... Wir sind noch bis Donnerstag früh auf dem Dampfer. Heute am Mittwoch hat das Boot früh in Barcelona angelegt. Ein Zwischenstopp. Es dauert.ehe es weiter geht. Hier an Bord verbringt man die Zeit mit dem Warten auf das nächste einfache Mahl. Es wird  im Selbstbedienungs Restaurant eingenommen und ist von einfacher Qualität. Mit einem Bierchen oder Wein lässt es sich runterspülen.
Meine Großmutter hatte für jede Lebenslage einen Ratspruch. Z.B.:"Wenn gefeiert B6 wird musst du mitfeiern oder nach Hause gehen." Der Spruch stammt vom Cicero. So ist es auch mit einer solchen Reise. Man kommt zusammen, um Mopped zu fahren. Entweder soll man die Lust des Moppedfahrens in der Gesellschaft mit anderen genießen oder wenn man die Lust, so zu reisen nicht ertragen kann, sollte man alleine fahren. Wir fuhren bis zum Ende zusammen. Also gehe ich davon aus, dass wir.gemeinsam Spaß hatten. Die vier Wochen sind schnell vergangen. Wir hoffen auf einen guten Heimweg. Denken wir später an die Reise, wird sich ergeben, dass sich Freude einstellt, weil wir an etwas Schönes denken.

Sonntag, 26. Mai 2019

Abschied nehmen in der Erntezeit

Die Gesprächsthemen ändern sich. Wie wird das Wetter in Italien sein, kommen wir trocken nach Hause? Ist der Sekt schon kalt gestellt?
Wie organisieren wir die Hafeneinfahrt mit der Kontrolle? Wann sollten wir dort sein...

Der Atlantic schickte seine Wellen rhythmisch an die felsig sandige Küste. Das ständige Schlagen und Schäumen wiegte uns in den Schlaf. Die Strecke nach Chefchauen ist lang, Frühes Aufstehen bringt Vorteile. Von Skhirat führt eine kleine Straße zur R 404 bis Khemisset. Die N 6, windet sich durch eine ganz wunderbare Landschaft und bringt uns bis Meknes. Wir sehen noch einmal das eindrucksvolle Stadttor in der langen und dicken Mauer. Von dort zeigt die Landesstraße N 13 nach Norden. Sieben einhalb Stunden reine Fahrzeit.
In den ersten fünf Stunden, hatte ich noch Kraft für Landschaftsbetrachtungen. Die Ausläufer des Rifgebirges bringen Wasser in das fruchtbare Land. Schon bald, nach dem wir die Küste des Ozeans verlassen hatten, beherrschten Getreidefelder das weite Land. Die Kornkammer Marokkos. Ungefähr sämtliche Mähdrescher Marokkos müssten wir überholen, so intensiv würde geerntet.
Sanfte Hügel, hin und wieder Lichter Wald,

begleiten uns. Brücken führen über wasserarme Gründe von Flüssen. Die Farben der kleineren Felder changieren zwischen weißgrau, rotbraun und gebrantem Umbra. Dazwischen grüne Hecken, geziert von rosa und violetblauen Blüten. Ein grünes Land zu dieser Zeit. Und doch, kein einfaches Land. An Wasserbecken stehen Esel. In die großen Kanister an ihren Seiten wird Waser geschöpft. Sie laufen mit der kostbaren Last nach Hause. Wie weit wird das sein?

Irgendwann wird es ungemütlich. Zu viele Kilometer, zu lange im Sattel. Dem Hintern ist es zu viel. Er wehrt sich, ruckeln, aufstehen, vor und zurück rutschen, irgendwann hilft nichts mehr. Da hilft auch keine liebliche Landschaft.
Kudret hat eine Übernachtung vorgeschlagen. Am Ortsrand auf dem Berg. Schöne Aussicht über Chefchauen. Wir diskutieren mit Saladin den Preis, kein WiFi, keine Handtücher, beschränktes Bettzeug. Er verspricht Frühstück aus eigener Herstellung: Olivenöl, eingelegte Oliven, Frischkäse vom Schaf, Brot, Kaffe, Tee, Orangensaft...ich habe das Gefühl, dass er seinen neuen Bau abzahlen muss. Im Erdgeschoss schlafen die Schafe, so schlecht kann es nicht sein. Wir bleiben.

Stadtbummel in der "blau weißen Stadt"l und letzte Einkäufe. Klaus lässt sich das Haupthaar und den Bart stutzen. Frauen backen in einem Lehmofen Brot. Sie lassen uns nach ein wenig Zögern zuschauen und schenken uns ein Fladenbrot. Ich bedanke mich mit gepflückten Blumen.

Wir sind gut vorbereitet.

Freitag, 24. Mai 2019

Wellenabendsonne

Zerschlagenes Wasser spritz dort wo die Wellen an den felsigen Strand prallen wie funkelnde Fontänen in die Luft. Strahlen der tiefstehenden Sonne erfüllen die Wassertropfen mit Spiegeln. Ein Sandstrand und doch keiner. Unter dem Sand verbergen sich die abgewaschen Reste des sandigen Gesteins. Dreißig Schwimmstöße breit hat sich zwischen Sand und Felsen eine Lagune ausgewaschen. Jungs spielen am Strand Fussball.

Am Abend staksen weiße Reiher im flachen Wasser umher. Mit schnellem Nicken stechen ihre Schnäbel ins ruhige Wasser. Sie sammeln ihr Abendmahl. Wir sitzen auf der Terrasse ich schauen dem Branden der Wellen zu. Der Horizont wird rosaorange wie der Roséwein den wir uns heute gönnen. Ein schönes Schauspiel bei einem ordentlichen Mahl.
In Casablanca hatten wir das totale Urlaubserlebnis. Wegen des Verkehrs wollten wir nicht in die Stadt hineinfahren. Eine bekannte Hotelkette war das Ziel. Gefahren, gefunden, als zu teuer für das Gebotene befunden. Weiter gefragt, anderes großes Hotel gefunden, nicht preiswerter. Zwei  Busladungen deutscher Touristen am Schalter, alle unser Alter. Im Speisesaal Gemecker über das Buffet. Wir sitzen mit am Tisch, Menschen aus fast allen Teilen Deutschlands fügten sich für eine Woche Besichtigungstour in Marokko zusammen. Sie sind neugierig und erfreuen sich am exotische Land.
Eine Küstenstraße, die R 301, richtet sich von Safi nach Norden aus. Wir wollten Meer. Bäuerliches Ackerland spendet Leben.
 Die Winde des Atlantiks führen  feuchte Luft an die Pflanzen. Auf kleinteilige Feldern sind dunkelgrüne Kohlköpfe gewachsen. An den Tomatenbüschen hänge  grüne Früchte, Zucchini ranken am rostroten Boden und zeige  grotgelbe Trichterblüten. Gelbes Getreide wurde auf größeren Fläche  geerntet. Gebundene Schilfmatten, Hecken und Steinmäuerchen helfen, die fruchtbare Ackerkrume zu halten. In eingefassten Becken ist aus Meerwasser Salz geworden, eine zusätzliche Einnahme. Wir habe es auf dem Tisch. Langgezogene Dünen vor dem Meer schützen die fruchtbaren Flächen zusätzlich. Die mächtigen Sandsammlungen wandern manchmal und begraben Bäume und geduckte Hütten unter sich.
Urlaubsorte wie Sand am Meer, jedoch noch alle geschlossen. Die Saison beginnt erst noch. An dieser schönen Strecke scheitert wieder einmal unser Versuch, ein Bett mit Meeresrauschen zu finden. Es  blieb Casablanca.

Auf der Autobahn  A5 und A 3 geht es aus dem Verkehrsgewirr der Stadt hinaus. Bei Mohammedia biegen wir zum Meer hin ab und nehmen die R 322 Richtung Rabat. Nach der Reisebeschreibung ein teurer Strand zwischen Casablanca und Rabat. Hinter Mauern verbirgt sich einer der edelsten Golfclubs des Landes. Bei Skhirat Plage frage ich im weiß gekalkten fünf Sterne Ressort nach dem Preis. Es ist immer wieder schön, ganz höflich Antworten, die zu teuer sind, zu erhalten. Mit der gleichen Höflichkeit gibt es eine Auskunft zum nächsten, preiswerteren Hotel. Da mache wir nun für zwei Tage Rast.
Die Sonne hatte einen schmalen Streifen Dunkelblauorange am Horizont hinterlassen. Ein ruhiger Anblick nach unserer Strandwanderung.


Marokkanische Rentner

Erste Sterne blinkten. Schwarzblau muss der Himmel werden, damit sich seine unendliche Tiefe zeigt. Unsere vier Wochen lösen sich im Gemenge der Sternenvielfalt auf. Dort oben scheint die Zeit ewig. Alles bleibt wahr, der große Wagen immer am gleichen Ort, das Kreuz des Südens weist seit Jahrtausenden den Weg, verlässlich wahr. Unsere vier Wochen halten sich noch frisch. Die Zeit sei schnell vergangen, meint Klaus, schon vier Wochen rum. Die Wahrheit unserer Erinnerungen bearbeitet sich mit der Zeit. Die zurückblickende Wahrheit spiegelt sich in den Brillen der Ereignisse. Von jeder Brille bleibt etwas hängen. Was wissen wir noch von längst vergangenen vier Wochen?
Wir sind viel im Land umhergefahren. Heiße Gebirge, Wüstenstrecken, Meeresrauschen. Gute Wege, anstrengende Wege. Zusammensein, zusammen schnarchen, zusammen suchen. So geht es noch ein paar Tage. Welche Wahrheit bekommt diese Reise mit der Zeit?




Mittwoch, 22. Mai 2019

Der Saharasand läuft davon



Blumenkinder
Wir sitzen jetzt wieder auf dem Mopped und das ist auch gut so...
Langsam läuft der rote Saharasand aus unseren Köpfen. Sand der märkischen Kiefernwälder füllt die Leerstellen. Bei Klaus sind das die klitzekleinen Schieferplättchen und der Scheuersand vom Bimsgestein und bei Kudret die fluffigen Torfflocken aus dem Alten Land.
Fast in gerader Linie führt Richtung Westen  die N 8, später R 207 nach Essaouira. Teilweise zweispurig wie eine Autobahn ausgebaut. Wir knattern dahin. Abgetragenes und verwitterten Gestein der hinter uns liegenden Gebirge hat eine Fläche geschaffen, die bis zum Atlantik reicht. Selten gibt es Hügel oder es zeige  sich Reste geschichteter Tafelberge. Bei ihnen ist Kalkabbau möglich. Der karstige Boden lässt die Arganen und Olivenbäume leben, Kräuter und Gebüsch ist für die Ziegen da. Die Tiere werden schlau vermarktet.
Als geschickte Kletterer werden sie von den Bauern auf Arganen getrieben. Da stehen sie fotogen rum. Touristenbusse halten extra dort, es wird geselfiet was das Zeug hält. So kommt Geld in der  Umlauf.
Seltsam, was mag ein junger Bursche denken, der auf einem Esel reitet, mit der linken Hand ein Kamel am Strick hinterherzieht und in sein Handy schaut? Sie trotten auf dem Randstreifen der Autobahn ihrer Zukunft entgegen.
Von Essaouira geht es auf der Küstenstraße R 301 gen Norden nach Safi. Dicht am Wasser in einem kaum erkennbaren Fischerdorf, habe sich Windsurfer ein Eldorado geschaffen.
Wie bunte Vögel brettern sie über das kabbelige Wasser. Wir sitzen bei Kaffee und Falafel auf einer Terrasse und schauen zu. Der Versuch, in einem Urlaubsort ein Bett zu finden schlägt fehl. Die Saison ist vorbei oder hat noch nicht begonnen.
Die Fahrt auf der schmalen Küstenstraße ist ungemein anstrengend. Das heiße Land und der kalte Atlantic gebären einen heftigen und böigen Wind. Besonders die schnellen Transporter, die einen Wirbel hinter sich herreißen oder Landecken hinter denen der brausende Wind hervorschießt, zerren giftig am Motorrad. Meine dicke Biene wird so heftig gepackt, dass die Reifen über die mit feinem Sand bepuderte Straße seitlich rutscht. Oh Schreck lass nach. Beim Tankstop müssen wir unbedingt pausieren. Alle sind angestrengt.
Beschäftigt man sich nicht mit dem Ramadan, so bleibt er unverständlich. Fast alle Lebensmittelgeschäfte sind am Tag geschlossen. Ob man in den kleinen Werkstätten wegen des Fastentages ruht oder aus Auftragsmangel ist nicht erkennbar. Oft wird auch gearbeitet. Nicht überall bekommen wir einen Kaffee. Kommt die Zeit des Sonnenuntergangs, wird es auf den Straßen ruhig, fast menschenleer. Jetzt bekommt der Ungläubige nichts. Erschallt der Ruf vom Minarett bricht man gemeinsam das Fasten, erst danach nimmt der Wirt die Essenbestellung auf. Vor 19:30 kommt nichts auf den Tisch. Ausgenommen sind Touristenorte wie Marrakesch. (Da herrscht eben Unzucht und Sittenverfall...hätten wir noch bleiben sollen???)
Beginnender Reiseausklang. Bei der Hotelsuche könnten wir uns nicht so schnell einigen. Das einfache Hotel in Safi entsprach nicht den Ansprüchen von Klaus und mir nach Meeresnähe. Also suchten wir wenig erfolhteich weiter. Weil es vernünftig war, fuhren wir wieder zurück nach Safi. In der Stille des Ramadanabends hofften wir auf eine Gaststätte, wir waren zu früh. Später im Hotelrestaurant gab es Suppe, Rindfleisch am Spieß, Datteln und Pommes.

Rüdiger mit Frühstückstablett

Montag, 20. Mai 2019

Krankenlager in Marrakesch

Da liegen sie nun, hingestreckt von einem Magen-  und Darmfeind des Menschen. Bettruhe ist angesagt. Trockenes Brot, möglichst viel Wasser und ein bisschen Mitleid. Bei Kudret hält sich der Eindringling schon längere Zeit in unterschiedlicher Mannschaftsstärke, bei Klaus ist er zum ersten Mal am Werk.
Während Klaus im Bett bleibt suchen Kudret und ich die rote Touristenbuslinie. Fragen hilft, zwar nicht zur ersten Haltestelle um die Ecke, jedoch zur vierten schaffen wir es. Für 19 € bekommt man ein Zweitagesticket. An jeder Haltestelle kann aus- und eingestiegen werden. Über einen roten Kopfhörer erklärt eine junge Frau die an der Straße liegenden Sehens-würdigkeiten.
Marokko wird seit 300 Jahren vom gleichen Königshaus regiert. Hier nach  Marrakesch kommt der König nur zu Besuch. Ganz ähnlich die vielen Schönen und Reichen, die seit einigen Jahren die 30 km vom Atlasgebirge entfernte Stadt zur Sommerfrische erkoren haben. (Also, wir sind hier zusammen mit einem gewissen Yves S.L., einer N. Campbell, Madonna und jetzt auch noch J.-P. Cartier, um nur einige zu nennen.) Ist auch kein Wunder, hat doch der alte Churchill hier bereits lange Zeit im besten Hotel am Platz ("le Mamounia") schöne Bilder gemalt. Im neuen Teil der Stadt haben französische Architekten die Lehmfarben des Landes in teuere Wohnquartiere gegossen. Sehr schick und gediegen. Hier, nicht weit vom Hotel entfernt wurde die WHO gegründet. Reist man durchs Land, kommen Zweifel auf, ob deren Gründung so gut für die Landbevölkerung war.
Jetzt tut man Alles, um Touristen aus allen Ländern anzulocken. Aus alter Verbundenheit sind Franzosen in der Mehrzahl. Mit ihrer Sprache kommt man ganz gut im Land zurecht. Sehenswüdigkeiten werden zum Weltkulturerbe, Museen herausgeputzt und der Flughafen erfolgreich erweitert. Die Altstadt ist mit einer sehr langen dicken Mauern umfangen. Stein, Lehm und Kalk sind ihre Bestandteile. Außen wurden immer wieder Löcher eingearbeitet. Dort nisten die Vögel aber nicht nur das, die Vertiefungen dienen dem Spannungsausgleich bei Temperaturunterschieden. So bleibt das Bauwerk rissfrei.

Die Sukss sindgroßzügiger als in Fes, Marrakesch ist häufiger nach Zerstörungen wieder errichtet worden. An restaurieren Riads, das sind traditionelle Wohnhauser, die mit einer Mauer umgeben sind, zeigt sich die Vermarktung der Altstadt. Es sieht schön aus, ordentlich und die Besucher*innen bringen Geld mit. Touristischer Treffpunkt ist der Platz Djemaa el-Fna. Auf ihm treiben laufende Händler und
Schlangenbeschwörer ihren Unfug mit den Reisenden. Überwiegend junges und Rentnervolk lässt sich durch die Gassen treiben. So wie wir. Hier schadet der Ramadan dem Geschäft nicht, in den Lokalen wird den ganzen Tag gespeist und getrunken. Alah ist mächtig.



Shoppen orientalisch

Innenhof eines Riad

So lebte man einstmals

Moderner Teppich






Sonntag, 19. Mai 2019

Wenn das Mopped dreimal hustet

Vollmond. Das gespiegelte Licht der Sonne, es kommt weit her von der anderen Seite des Alls, hat einen Schimmer wie ein reifes Weizenfeld. Dem Dunkel der Felsabbrüche werden Konturen eingehaucht. Bäume und Büche zeigen die Eigenheiten ihres Ansehens. Der große Wagen hat heute weniger Tiefe.

Eine wiedereinmal kurvenreiche Strecke auf 2100 m hinauf lag hinter uns. Vom Surfereldorado Tagazout,
wo wir im Hostel unter Wellenreiter*innen weilten, fuhren wir auf der Nationalstraße um Agadir herum. Früh hält sich der Verkehr zurück. Bei Inezagane wechselten wir auf die N 10 gen Osten ins Atlasgebirge. Wir hatten uns entschieden, doch in Marrakesch  vorbei zu schauen. Die N 10 gehört zu den ausgebauten Straßen. Es rollt sich gut voran. Rechts und links wieder die gesteinigte Wüste, in der sich Ziegenherden an dörren Gräsern und hartem Buschholz nähren. Arganen wechseln mit den genügsamen Olivenbäumen. Lange zeigen sich die Gipfel des Hohen Atlas im Dunst der Mittagssonne. In den kleinen Städten, dort wo sich Bergwasser im Grund sammelt, blühen rosafarbene Oleander Büsche. Sie erfreuen den Fahrer. Nach 130 km wechseln wir auf die R 203. Sie gehört zu den Wegen, denen auf der Karte ein grüner Streifen beigefügt wurde. Als besonders schön ist sie damit geadelt. Wie stets beginnt die Straße mit einer Breite von zwei Lastwagen. Kritische Ränder sind gut befestigt. Erstaunlich, Kiefern und die mediterranen Steineichen stehen zu einem lichten Wald zusammen. An anderen Strecken begleiten Olivenhaine und Mandelplantagen den Fahrer. Lehmrotbraun herrscht auch hier vor. Langsam klingt das frühe Jahr aus, Blumen  und Gehölze zeigen ihre letzte Blütenpracht. Kurven, manche eng und bissig, Serpentinen wechseln mit rhythmischen Bögen ab.
Man kann lustvoll flott fahren oder geruhsam und dabei einen Blick auf die Landschaft richten.

Und dann ist es wieder da. Klaus steht am Straßenrand. Sein Motor hat sich wieder ausgeschaltet. Mitten im Fahren, schlecht, wenn es gerade eine Serpentine hinaufgeht oder ein Laster entgegenkommt. Inzwischen hat er bei seiner BMW F 800 GS dieBenzinpumpe ausgebaut, Filter gereinigt und die Tankentlüftung verbessert. Ohne Erfolg. Das nervt. Immer am Nachmittag, wenn die Temperaturen auf 40 Grad und mehr steigen, passiert das. So bleiben wir im Hotel am Pass "Tin Mal" auf 2100 Metern. Die Motorräder können in einer großen Garage abgestellt werden, in der Rauch zwei Hähne leben. Sie sind mit Strippen an den Füßen gefesselt. Am Abend gab es Tajine Pollo und so war am Morgen nur noch ein Hahn am Leben. Von hier oben schaut man weit über das flache Land aus dem sich der Hohe Atlas aufrichtet. Ein Dichter Dunstschleier trübt die Sicht.

Nach ordentlichem Frühstück bollern wir weiter. Dicke Laster  und das wilde Winterwetter haben der schmalen Straße zugesetzt. An manchen Stellen ist der Belag nur noch in zwei Metern Breite vorhanden. Kommt ein dicker Brummer entgegen, muss in den Schotter ausgewichen werden. Schlaglöcher sind geflickt oder offen. Aber die Landschaft ist wundervoll. Die Farben der Bergrücken haben hier ein rotbraun, welches mit einem purpurnen Königsblau untermalt ist. In Dorfnähe überholt man mit Grünschnitt hochbeladene Esel, die hier nach wie vor beliebte Transporttiere sind.  Zur Not trägt so ein Tier Klaus Mopped zum nächsten Dorfschmied.

Unbeschadet erreichen wir Marrakesch und lassen die  mit Restschnee bedeckten Gipfel hinter uns.
Kudret hat's erwischt, ihm ist nicht gut. Klaus hatte es heute morgen und ich sprach:"Gewährt mir die Bitte, nicht zu seien in eurem Bund der Dritte." Mal sehen, was sie so machen. Drückt die Daumen...
Blumengruß an unsere Frauen die so
tapfer zu Hause auf uns warten. Wir sind auf dem
Rückweg und freuen uns auf euch.





Donnerstag, 16. Mai 2019

Über Stock und Stein

Die  Zeitg weht wie der Saharawind dahin.
Die Ausläufer eines atlantischen Tiefdruckgebietes haben zwischen Sonne und Erde einen  grauen Schleier gebundenen Wassers geschoben. Dem heißen Gestirn ist der Blick auf die Erde an dieser Stelle verwehrt. Reste antarktischer Schneekälte weht mit dem Wind und Klaus hat wieder zwei paar lange Unterhosen an. Später, als der Sonnenglanz fast senkrecht auf die Wolkenschicht traf, lösten sich einzelne graue Flächen auf.
Unsere Route sollte heute ein wenig abenteuerlicher werden. Tschechische Biker hat uns den Tipp gegeben, dass am Plage Blanche bei Ebbe der Strand gut zu befahren sei. Das wollten sich Klaus und ich nicht entgehen lassen. Kudel war wegen des Salzwassers zurückhaltend. Also auf der N 1 zurück Richtung Guelmin. Irgendwann wies uns der Weg auf die R 109 dem Atlantic entgegen. Wunderbar rankte sich das schmale Asphaltband durch die lehmbraune Landschaft. Hofstellen mit ihren geschachtelten Gebäuden, die sich durch Lehmmauern sichern, schufen dem Auge abwechslung. Der
Reste der Flussfeuchte wird vom Gemüse der schmalen Feldern aus dem Boden gesaugt. Es gibt den Bauern Weiterleben. Oft winkt man uns zu oder zeigt Gesten der Wertschätzung. Hinter dem letzten Dorf endet der glatte Straßenbelag. Glatt gefahrene Piste beginnt, rechts und links wächst Bambus, hoch und robust. Wir sind noch auf der R 109. Die Piste wird ruppiger, Schotter in ausgewaschenen kleinen Regenfurchen. Die Spur will gut gewählt sein. Wieder eine Kurve, nicht einsehbar. Plötzlich quert ein Bachbett die Straße. Es ist gut einen Meter tief ausgewaschen. Lose Gesteinsbrocken künden von rutschigem Vorankommen. Nicht zu stark in die Bremse, schalten, Weg suchen, man muss gleich wissen, wo es weiter gehen soll. Vorsichtig Gas geben, nicht zu viel, auch nicht zu wenig. Das Hinterrad verspringt, weil ein Stein angefahren wurde. Lenker laufen lassen. Nicht zu stark gegensteuern. Die Maschine etwas drücken, weil es auch gleich wieder um die Kurve geht. Etwas übersichtlicher, mehr Gas, schalten. Ausgewaschene Spurrinnen in der nächsten Kurve, es geht bergauf. Kollerndes Gestein unter dem Profil, wo ist die Bahn gut fahrbar? Kupplung schleifen lassen, nicht zu viel Druck auf das Hinterrad. Geschafft. Das nächste Bachbett kommt von schräg vorne auf die Straße zu. Tief ausgewaschen, der letzte Regen hat Steine und Lehmreste hinterlassen. Rutschig oder fest? Gut, es ist fest. Das Mopped poltert in die Bachflanke, da muss der Druck mehr Richtung Hang gehen, am trockenen Bachgrund ist sofortiger Gewichtswechsel nötig. Das Gas muss reichen um die 375 kg hoch zu schieben. Sand dahinten, Gewicht nach hinten  verlegen, möglichst über die nicht so dicken Stellen fahren. Hält das Hinterrad? Jetzt poltert es wieder unter den Reifen. Frei gewaschene Felspartien warten auf den Gummi, blank wie Spiegelflächen. Dicht am Rand wirkt es erdinger, das müsste besser gehen aber man fährt auch am Rand. Das Mopped brummt darüber. Eine Steile Felsflanke schien sich in den Weg, um die Ecke geht es hoch, wie weit und wie?
Wir steigen ab und laufen die Strecke ab. Eine brenzlige Stelle. Wie Schiefer geschichteter Stein, von Urgewalten vor tausenden von Jahren fast senkrecht hochgeschoben durchschneidet den Weg an mehreren Stellen. Dazwischen  lockeres Bruchfeld. Es müsste gehen. Die richtige Drehzahl und gefühlvolles Kupplungsspiel bringt die Kraft auf das Hinterrad. Der Lenker zerrt in die falsche Richtung, zwingen und fahren  lassen sind gleichzeitig gefordert. Das Frontrad rutscht in eine Sicke und schiebt sich dem Rand zu. Der Herzschlag steigt, in den Handschuhen wird es feucht. Wie schön doch die Landschaft ist. Es geht an der Kante eine trockene Steppe hinunter. Da ist eine Lücke im geschiefertem Gestein, hinschauen und gleich weiter suchen. Zack, dass Lenkrad schert aus und es geht auf dem Fahrweg weiter. Geht doch... Zwischen durch wieder einige Passagen zum Erholen. Dann verliert sich die Straße im Gewirr von Steinen, flachen Büschen und lehmigen Sand. Das Navi sagt, hier muss eine Straße sein. Dort eine alte Stegspur. Kann das sein? Karte und Kompass raten uns zu. Wir fahren, denn in der Ferne winkt eine glatte Fahrbahn.



Noch ist nicht alles geschafft. Es gibt eine Passage, da schieben wir die Moppeds hinunter. Zu steil, zu ausgewaschen, zu glatt...die Strandfahrt lassen wir ausfallen.
Unten kochen wir einen Kaffee, trotz Ramadan. Die N 12 begleitet uns über Sidi Ifni bis Mirhleft. Wir sind angestrengt. Die Hotelsuche ist nicht mehr optimiert. Besser als nichts, so ist das Hotel mit seinem schönen Gartenbereich ganz nett.
 In dem runtergewirtschafteten und mangelhaft sauberen Schlafbereichen ist es eine grenzwertige Übernachtung. Der Schlafsack tut seine Dienste. Am Morgen hatten wir keinen Besuch von klitzekleinen Gästen zu verzeichnen und so kann es ganz gemütlich die gut zu fahrende und landschaftlich wundervolle Straße R104 nach Tafraoute gehen. Wir bleiben dort, wo es schon einmal schön war.

Montag, 13. Mai 2019

Atlantische Sahara

Oh, ist das heiß hier. Ist ja auch die Sahara und bei ca. 45 Grad Hitze zu fahren, treibt einem das Wasser in die plastene Schutzkleidung. Wie Sturzbäche in einem Wadi rast der Schweiß die Falten hinunter.
Aus dem schönen Ort Tafraoute führt uns die R 107 hinaus. Es gibt Künstler, die verpacken Küsten oder Häuser und es gibt Künstler*innen die haben die Idee,
Das Blau könnte mit den Berber
In Verbindung gebracht werden

Felsen und Felsflächen blau, gelb und rot zu bemalen. Worauf die so kommen! Es sieht schon interessant aus. Weiter geht es eine landschaftlich schöne Straße durch die Äusläufer des alten Gebirges. Schmal windet sie sich Abhänge hinauf, an den Rändern ausgefranst und schotterig oder sie durchschneidet gut geheizte Hochebenen. Das geschichtete und von Urgewalten zu den Wolken gedrückte Granitgesteins, zeigt seine alte Entstehung an den weiten Hängen.  Zwischen den Geröllrutschen an den Hängen zeigen sich geschwungene oder gerade Linien härterer Schichten in dunkleren Braun, manchmal auch ganz hellem Ocker. Die Weiten sind mit rotgrauen kleinen und großen Steinen bedeckt. Dazwischen das trockene Gehölz und die schattenspendenden Akazien. Richtung Assa sengt uns die Sonne die Moppedklamotten. Unter einem Kameldornbaum suchen wir Schatten. Kudret hat Pulverkaffee Beutelchen und ich das ca. 45 Grad heiße Wasser. Mit einem Stück trockenem Weisbrotfladen ist das ein Genuss. Wie ein Sonntagskuchen. Die kurze Dösung bringt wieder Schwung in den heißen Körper. Es kann weiter gehen.

Hier auf den steppenähnlichen Flächen weideten schon zu Jesus Zeiten Ziegenherden oder zupften Dromedare Blätter von den Bäumen. Verkehrszeichen weißen auf die Tiere hin. Zeigt sich eine Herde im flimmernden Licht des Asphalts fahren wir langsam an die schwarz gelockten Tiere heran. So passiert auch nichts, als ein kleines Jungtier kurz vor Klausens Reifen über die Straße springt.

In den Dörfern ist nichts los. Alle Einwohner*innen haben sich zur Ramadan Ruhe zurückgezogen. Als wir in Assa auf der N 12, einfahren wirbelt der heiße Wind einen Wellpappendeckel durch die Luft, rosane und gelbe Kunststofftütenreste drehen sich zum Spiel der Staubwolken. Hier in Assa steht über einer Ladenzeile einer Straßenecke "Hotel". Es sieht so trostlos, wie in einem alten Westernfilm aus. Kudret, der Netzaffine, findet noch ein weiteres Hotel am Rande der Stadt. Für diesen Ort ist das ein Prachtbau. Alles verschlossen. Die in einem parkenden Auto sitzenden jungen Leute geben uns zu verstehen, dass man ordentlich klopfen muss, um den Rezeptionisten zu wecken. Nach dem wir schon aufgegeben und im Netz nach weiteren Möglichkeiten geschaut hatten, rasselt es an der Eingangstür. Ein junger Mann hat sich im Hotel am Rande der Sahara auf den Weg gemacht, Fremdlingen Einlaß zu gewähren. Wir feilschen um den Preis, erringen wieder eine Tajine Pollo mit Brot und Cola und ein Frühstück.
Jungendliche fahren los und kaufen für unser Mahl ein.  Trotz der abendlichen Hitze dauert es ewig, ehe das Huhn durch ist und serviert wird. Marokkanischer Salat und Huhn, Anflüge von Darmbeschwerden schwängern die Phantasie - sie traten nicht ein.

Wir fahren zeitig zu unserem Umkehrpunkt El Ouatia am Atlantik (erst N 12 später N 1). Es ist so heiß, dass sich nur die Dromedare auf der Ebene bewegen. Drei Esel stehen im Schatten einer breitkronigen Akazie und wackeln mit den langen Ohren. Schwarze Ziegen sind im hitzigen Gelände kaum zu erkennen. Das rote Braun ist von der heißen Luft stumpf gemacht worden. Erstaunlich, wir durchfahren eine Ebene in der Palmenwedel vom Wind bewegt werden und sich Strohballen von der Weizenernte stapeln. Eine sehr große bäuerliche Landwirtschaft wird durch unterirdisches Wasser begünstigt.

Unsere Wasservorräte ergänzen wir in einem kleinen Laden. Der Verkäufer nimmt es mit dem Ramadan nicht so genau. Sein linker Arm ist über dem Handgelenk gebrochen. Geschwollen und krumm ruht sein Unterarm in einer Schiene, die mit schmutzigen Verbandsmull gepolstert ist. Hier möchte man nicht malade sein. Seine Augen blicken trotzdem freundlich.
Je näher wir dem Atlantik kommen, um so frischer wird die Luft und damit die Temperaturen. Klaus überlegt, ob er noch seine zweite lange Unterhose anziehen soll. Da es aber nur noch 100 km bis zum Ziel sind fährt er bibbernd durch.

Wir finden, weil keine Saison mehr ist, gleich ein kleines Hotel. Der Empfangschef  hatte uns bereits auf der Straße abgefangen und sein Haus gepriesen. Preis und Leistung stimmen, wir bleiben.

Im Januar stand ich auf der anderen Seite und suchte mit meinen Blicken Afrika. Heute schaue ich umgekehrt nach Feuerland und Patagonien. Die Blicke werden sich nicht begegnen. Wahrscheinlich fliegen sie immer noch mit Lichtgeschwindigkeit über dem  Atlantik an einander vorbei. Irgendwann wird sie ein schwarzes Loch eingefangen. Trotz der Reste südpolarer Meeresströmungen, die sich in der langen Bucht auf den Strand wälzen, stürzen wir uns in die schmächtigen Wellen. Eine gute Erfrischung. Kinder und Jugendliche surfen auf schmalen Brettern oder kicken geschickt Bälle zueinander. Mädchen sind nicht zu sehen. Im Vergleich zu den vorangegangenen Abenden, ist dieser richtig frisch. Eine Jacke muss her. Beachtlich auch, dass wir hier Bier bekommen. Wegen des religiösen Festes müssen Klaus und ich uns das Bier selbst aus dem Kühlschrank geben. Prost.





Samstag, 11. Mai 2019

Safran aus dem Agadir

Eine Hochebene, sie leidet unter Wassermangel. Der Tau der frühen Stunde, netzt die gegerbten Blätter der harten Gehölze, die sich in den staubig trockenen Grund graben. Es reicht für den Tag. Vom hitzigen Sonnenlicht wird der weiten Fläche ein Schleier übergeworfen. Jede   Farbe genommen. Ein Gewirk, das alles in stumpfes Oliv setzt. Die uralten Berge des Antialtlas freuen sich auf Stunden, in denen ihnen das Licht Falten und freundliche Spitzen gibt. Selten können Pflanzen in Senken Feuchtigkeit aus dem karstigen Boden saugen. Das Stumpfe belebt sich und gibt freudiges Grün Preis.

Kudret hat für Kultur vorgesorgt. Punkte von besonderem Interesse sind auf seinem Navi gespeichert. In liebevoller Vorarbeit hat er Abstecher für Besichtigungen aus dem Internet runtergeladen. In den rotbraunen Abhang einer steilen Hügelkante sind geduckte Häusermauern und Absätze gearbeitet. Es könnte ein Agadir sein, der oberhalb eines Ortes liegt.
Neben den Straßen durch die weiten oder engeren Teile des Antialtlas trocknen die Wege der Flüsse oder Bäche dahin. Geht der Winter ins Frühjahr über, wandelt sich der Schnee zu reißendem Wasser. Wilde Strudel nehmen alles mit, was sich  greifen lässt. Die Mandelbäume sollen es zuerst spüren. Ihre Blütenpracht sei unermesslich. Sobald die Wasser verklungen sind, singen nur noch die alten Linder vom jungen Wachstum.
Zum Dorf führt der ausgewaschene Lehmweg durch ein Wadi. Die Wasserpassage ist betoniert worden, ein gewisser Wohlstand. Braune Pfützen zeugen vom wilden Wasser. Die holprige Dorfgasse, an manchen Stellen mit Schotter geebnet lässt gerade einen Esel mit dicken Säcken an jeder Seite passieren. Gut, dass wir keine Esel sind. Wir parken auf dem Dorfplatz, weiter geht es nicht mit unseren Moppeds. Eine, zwei, drei sind die Dorfkinder,klein und gross da. Sie blicken neugierig und freundlich
Die älter Manner, die im Schatten der Hausmauer lehnen sprechen mit uns. Um die Ecke sitzen die Frauen. Klaus erzählt mit ihnen
über alte Zeiten. Sie lachen und winken mit den Händen. Zwei gang hübsche Mädchen um zehn Jahre probieren ihr erlerntes Französisch. Sie wollen uns den Weg zum Agadir zeigen. Wer passt auf die Vehikel auf? Die Mädchen bestimmen einen größeren Jungen. Er nickt zuversichtlich stolz. Zwei von den kleinen dukeläugigen Buben nehmen mich bei der Hand und so zieht die Karawane davon. Der Dorfvorsteher ist inzwischen informiert. Vom Dorfrand an, schlängelt sich der Weg durch die Mandelhaine. Ihre Kronen spenden dem Weizen und dem Hafer Schatten. Die Halme sind gelb, die Ernte steht bevor. Die Kinder sind begeisterte Führer. Wir sind bestimmt nicht die Ersten. Der Eingang zum Schutzhaus ist verschlossen. Ifraim wird kommen und aufschließen, ergibt sich aus dem Gespräch mit den beiden Mädchen.

Ifrahim schließt auf. Ein freundlicher junger Mann um 35 Jahre. Er sei der Dorfvorsteher. Mit sechs Männern aus dem Dorf, die ihren Broterwerb noch nicht weit in den Norden verlegt haben, restauriet er die zerfallenen Reste. So geben sie der Wehrstatt ihrer Väter, wieder ein stattliches Aussehen. Als er den Schlüssel im  Schloss umdreht, nennen uns die Kinder den Eintrittspreis. In das weiche lehmbraune Gestein schlugen kräftige Arme tiefe Höhlen. Steile Treppen und Hozleitern überbrücken Absätze.

 Immer wieder lassen niedere Kriechtüren umschlossene Räume ahnen. Einige Aufstiege sind nötig, ehe wir in einem dunklen Felsendom stehen. Die Lampe des Handys lässt die Weite ahnen. Schmale Treppen, in Baumstämme gehauene Leitern führen an den Wänden zu den kleinen Zimmertüren. Alle sind verschlossen. Dicke Einsteckschlüssel seien nötig, um Zugang zu bekommen. Die Berber sicherten hier ihr Korn und anderes Hab und Gut. Nicht so leicht einnehmbar und einem fremden Eindringling, der seinen Kopf durch den kleinen Türstock brachte, drohte die Kürzung seines Körpers. Die Deckenkonstruktion der restaurierten Häuser erinnert an hessische Lehmfachwerkbauten. Hier hat Eukalyptus- und wenn vorhanden, Arganholz die Tragkonstruktion übernommen. Obenauf ist jetzt ein Gemisch aus Lehm, Stroh und Kieselsteinen gestampft. Die letzteren sind der gerundete Rest des Granitgesteins. Ein Turmfalke (?) gleitet über das Anwesen und nimmt seinen Aussichtsplatz ein.

Am Tor warten die Kinder und begleiten uns zurück. Ismael zeigt auf die uralten Arganbäume. Sie tragen gelbe Früchte, kleinen Zitronen ähnlich. Innen sitzt ein Kern wie eine Mandel. Die Ziegen fressen es gern. Die Menschen pressen Öl daraus und verschönern ihre Haut. Ismael ist aber noch nicht am Ende seiner Verdienstmöglichkeiten. Im November wachsen auf den Hochflächen  violetfarbene Crocusse. Die Frauen würden in gebeugter Haltung auf den Bergwiesen die teuren Narben der Blumen sammeln. Er könne uns ganz frischen Safran verkaufen. Seine Familie hat eifrig gesammelt. Die getrockneten Fäden duften gut. Mit seiner elektrischen Waage, in die er die Batterien einlegt, wiegt er uns grammweise den edlen Aromastoff ab. Alle sind zufrieden.
Mit den Dorfkindern finden wir unseren Parkplatz. Die Bewacher waren fleißig. Alles ist an seinem Platz. Die Frauen lachen und werfen ganz gewagt einen Handkuss durch die Luft. Eine schmale dunkel gekleidete Frau hat einen toten Hahn in ihrer Hand zu hängen. Der einst so stolze  Hahn, der noch  am Morgen dick aufgeplustert duch seine Scharr stolzierte, zeigt uns nur noch seinen mageren Balg. Hoffentlich ist die Familie nicht zu groß.

Die Kinder bekommen einen Obolus für ihre Bewachung und Begleitung. So haben alle etwas. Die Rückfahrt auf dem engen Dorfsteig und durch den Trockenfluss

ist wieder spannend. Die Biene fährt überall durch. Auf dem Asphalt geht es weiter über eine wunderbare Bergstraße unserem Ziel entgegen.


Donnerstag, 9. Mai 2019

Schiefe Tage

Rosenfest, die Einwohner des "Tales der Kasbah's" feiern es. Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht. Rosenblätter, Rosenwasser, Rosenöl und ganz schöne Sachen, die man aus den wunderbaren Blumen zubereiten kann, verkaufen sie weit über ihr Tal hinaus.

Auf dem Weg dorthin, versuchen wir noch das (glaube ich) gröste Sonnenkraftwerk der Welt zu besichtigen. Von weitem sieht man den Mast (sieht aus wie ein Fernsehturm mit Glühstrumpf, Kudret), an dessen Spitze das gebündelte Sonnenlicht die Energie von 500 MW Strom erzeugt. Die Anlage ist gut gesichert. Wir konnten nur von außen schauen. Es ist beeindruckend, wie die Sonne auf Umwegen Strom spendet.

Wir also weiter durch den heißen Mittag. In den kleinen Städtchen türmten sich immer wieder diese wunderbar anzuschauenden Kasbahs zwischen den anderen Häusern hervor. Manche zeigten sich arg verfallen. Der braune Lehm geht wieder zur Erde zurück, nach dem er Schutz geboten hat und den Sternen ein wenig Nähe war.  Die gut erhaltenen und gepflegten zeigen sich im Glanz ihrer alten Art. Muster verschönern den Anblick, Zinnen gestalten die Dachkanten. Die Farbe gibt einen bodenständigen Stolz.
Im Fluss waschen Frauen Wäsche. Ein romantischer Anblick. Wie einfach ist doch unsere Waschmaschine. Im Ort der Rosen fanden wir das Hotel nicht. Selbst Einheimischen gelang es nicht, den Weg zu erkunden. Was viel enttäuschender war: Wegen des Ramadan hatte man das Fest vorverlegt, wir waren zu spät. So ein blödes Internet, es hätte uns ruhig eine aktuelle Information geben können - oder wer auch immer.
Auf dem Hinterreifen kehrt und weiter nach Süden.
Im Gastraum tobt aus dem Großbil-TV der Kommentar des Fussballspiels Chiele gegen Frankreich. In der Gebetsniesche sind Tropische gelegt und man geht der Huldigung Allahs nach. Er liebt offensichtlich auch Fußball.
Klaus und mein Navi beschrieben eine Strecke durch ein Gebirge. Sie sollte schotterfrei sein. Nach gut sechs km erwies sich das als eine Fehlinformation. Wir wieder zurück und auf die Nationalstraße. Die fuhr sich dann ganz schön. Im Ziel erkundeten wir drei Hotels. In den letzten hatten wir nachts kleine Gäste, die ihre  Spuren an unseren Fußgelenken hinterließen. Das muss nicht jede Nacht sein. Wir nahmen das Beste und teuerste am Platz. Incl. Frühstück, Dinner und Motorradgarage 60 € für alle. Wenigsten das hat geklappt.

Lehm ein wunderbarer Baustoff

Wieder Richtung Atlas
Mit dem Hotel hatten wir Glück. Alles war gut, besonders die Lage im Palmenhain. Mit einem guten Frühstück im Bauch fuhren wir die N 9 nach Ouarzazate im Hohen Atlas. Es ging den Dades flussaufwärts.

 Erstaunlich, wie grün und fruchtbar unterirdisches Wasser die Landschaft gestaltet. Bergformationen, die aussehen als seien Schichten von wärmer Schokolade übereinander gegossen worden.

Es verwittert und gibt der Wüste staubige Nahrung. Zum Mittag ist die Luft so aufgeheizt, dass kleine Staubwirbel sich wie tanzende Derwische in die Luft erheben. Das Moppedfahren wird dann anstrengend. Energische Lenkbewegungen verhindern, dass man auf die Gegenfahrbahn gedrückt wird.
In der Kasbah Tiffoultoute finden wir schnell ein Hotel. Wir hängen ein wenig ab, Ehe wir zur Besichtigung der Lehmburg aufbrechen. Ursprünglich waren es freistehende Sippenburgen. Es ging um die Verteidigung des Leben spendenden Wassers. 


Wehrtürme überragen die Häuser. Alles ist aus gestampftem Lehm, dem  Steine und Stroh beigemengt würden gefertigt. In den Räumen ist es angenehm kühl. Das Baumaterial erhält man um die Ecke, es kostet nichts. Wenn es verfällt, Bedarfs es keiner aufwendigen Abfallbeseitigung. Es vergeht wie das Leben. Erinnerungssteine werden zu Haufen und bald ist Gras oder besser noch eine Palme darauf gewachsen.  Heftige Regenfälle können bereits angegriffenen Flächen schaden. Der Erhaltungsaufwand ist groß. Diese Kasbah ist Weltkulturerbe und wird restauriert.

Morgen reisen wir zum Start des alljährlichen Rosenfestes nach El Kelaam M'Gouna.
Klaus muss getröstet werden, weil sein Mopped immer mal wieder ausgeht.

Das Laden der Bilder daert wieder so lange, dass ich Ursachenforschung betreiben muss.

Dienstag, 7. Mai 2019

Sieg der Vernunft oder des Alters!?


Die gestrige Kameltour

Der gut geschäftsorientierte Wirte klopfte früh in der Dämmerung an die Scheibe:" Sonnenaufgang!" Klaus erschrak und sprang aus dem Bett, ich hinterher. So bekamen wir eine Ahnung von einem Wüstenrot am Morgen.
Sonnenaufgang
Kaum waren die letzten Bilder geknipst, stand das Frühstück auf dem Tisch. Es war so karg wie der Wüstensand.

Bereits auf dem Schiff wurde erzählt, dass die auf der Karte als Piste gezeichnete Verbindung gen Süden, zu fahren sei. Ein kleines Stückchen Sande würde die Freude trüben. Wir wollten die Piste. Der Wirt riet ab. Die Moppeds zu schwer, die Strecke zu gefährlich. Er bot den Gepäcktransport und seine Begleitung als Fährtensucher für Schlappe 500€ an. Wir nehmen keine Schnäppchen und fahren los. In Taouz wurden wir gleich am Ortseingang abgefangen. Wieder wurde uns eine schlechte Fahrt in Aussicht gestellt. Zu viele Sandverwehungen, die unbedingt zum Steckenbleiben führen würden. Man schlug uns eine andere Strecke vor, mit einem Vorfahrer. 100 €. Klaus und mir war die Begleitung 60 € wert, Kudret wollte eher gar nicht fahren. Wir einigten uns auf eine  Blick in die Einstiegsstraße. Also aus dem Wüstendorf raus und auf die Piste. An der ersten kleinen Steigung der schottrigen Straße hatte der Wind reichlich
So sah der zivile Anfang des Weges aus, an dem wir
umkehrten
 Sand in die Fahrspuren geweht. Die Sonne brannte und der heiße Wind trieb Wasser aus dem Körper. Diskussion sollen wir oder sollen wir nicht. Klaus war auf Abenteuer aus, ich auch ( so mehr oder weniger) Kudret wollte sich das nicht antun. Ein bisschen tobte in mir die Vernunft: gestern hatte ich mich im Sand festgefahren und es war schwierig wieder raus zu kommen. Sollte es mir mehrmals passieren, ich hätte keinen Spaß und sicher war auch, dass ich dass Moppeds ablegen würde. In meinem Alter sollten die Abenteuer überschaubar sein.
Wir kehrten nach eingehender Diskussion um. Klaus war traurig (wobei, er schloss seinen Frieden mit der Entscheidung, denn Sand ist auch nicht unbedingt seine Stärke) Kudret froh und ich froh gemischt (Alter Sack und so...). Wir fahren so, dass immer Respekt unter den Reifen bleibt.

Auf guter Straße rollten wir zurück auf den morgendlichen Anfang und weiter auf der N 12 über Alnif, Tazzarine nach Zagora. Mit dem Kaffe unterwegs war es  ein wenig spannend, weil wir nun im Ramadan unterwegs sind. Zwischen Sonnenaufgang und Untergang darf  nichts gegessen werden.

Oasen lassen  bäuerliche Land-
wirtschaft zu


Wüstenstadt
Die vorherrschende Farbe dieser Wüste ist das Antrazitocker. Schwarzes Geröll, dicke und dünnere Quader mit vom Wind abgeschliffen Kanten, sind über den grau schwarzen Boden versprengt. Schwarze kleinwüchzige Ziegen finden dazwischen Halme und Hölzchen zum abknabbern. Berge mit geschichtetem Gestein, wie ein Stapel Teller, der am Rand gebrochen und verrutscht ist, ragen in die heiß flimmernde Luft. Ganz hinten in der Ferne geht der Blick durch einen grauhellen Seidenschleier zum begleitenden Gebirge. Akazien breiten ihre breit gespannten Kronen über den Boden aus. Schattenspender für den gedörten Boden. Im Untergrund muss sich Wasser einen Weg bahnen. Züge von dichten Palmenhainen, Obstbäume und Landwirtschaft zeigen es an.
Wir kommen gut in Zagora an. Kudret findet ein preiswertes Hotel in der Nähe. Das Riad "Soleil du monde" erweist sich als ein Glückstreffer. Mitten in einem Palmenhain liegt das gut gestaltet Hotel mit Schwimmbecken. Ein Familienbetrieb. Mit dem freundlichen Wirt lässt sich ein guter Preis aushandeln. Das Abendessen ist prima und reichlich. Wir gehen zufrieden ins Bett.

Blumen für Sabine, mit der
ich  8. Mai 15 Jahre
verheiratet bin.
Danke.




Abschied von Marokko

Wir sind gut bis zum Schiff gekommen. Müssen noch lange warten, bis es los geht. Ein Bootsfahrt die ist lustig... Wir sind noch bis Don...