| Blumenkinder |
Langsam läuft der rote Saharasand aus unseren Köpfen. Sand der märkischen Kiefernwälder füllt die Leerstellen. Bei Klaus sind das die klitzekleinen Schieferplättchen und der Scheuersand vom Bimsgestein und bei Kudret die fluffigen Torfflocken aus dem Alten Land.
Fast in gerader Linie führt Richtung Westen die N 8, später R 207 nach Essaouira. Teilweise zweispurig wie eine Autobahn ausgebaut. Wir knattern dahin. Abgetragenes und verwitterten Gestein der hinter uns liegenden Gebirge hat eine Fläche geschaffen, die bis zum Atlantik reicht. Selten gibt es Hügel oder es zeige sich Reste geschichteter Tafelberge. Bei ihnen ist Kalkabbau möglich. Der karstige Boden lässt die Arganen und Olivenbäume leben, Kräuter und Gebüsch ist für die Ziegen da. Die Tiere werden schlau vermarktet.
Als geschickte Kletterer werden sie von den Bauern auf Arganen getrieben. Da stehen sie fotogen rum. Touristenbusse halten extra dort, es wird geselfiet was das Zeug hält. So kommt Geld in der Umlauf.
Seltsam, was mag ein junger Bursche denken, der auf einem Esel reitet, mit der linken Hand ein Kamel am Strick hinterherzieht und in sein Handy schaut? Sie trotten auf dem Randstreifen der Autobahn ihrer Zukunft entgegen.
Von Essaouira geht es auf der Küstenstraße R 301 gen Norden nach Safi. Dicht am Wasser in einem kaum erkennbaren Fischerdorf, habe sich Windsurfer ein Eldorado geschaffen.
Wie bunte Vögel brettern sie über das kabbelige Wasser. Wir sitzen bei Kaffee und Falafel auf einer Terrasse und schauen zu. Der Versuch, in einem Urlaubsort ein Bett zu finden schlägt fehl. Die Saison ist vorbei oder hat noch nicht begonnen.
Die Fahrt auf der schmalen Küstenstraße ist ungemein anstrengend. Das heiße Land und der kalte Atlantic gebären einen heftigen und böigen Wind. Besonders die schnellen Transporter, die einen Wirbel hinter sich herreißen oder Landecken hinter denen der brausende Wind hervorschießt, zerren giftig am Motorrad. Meine dicke Biene wird so heftig gepackt, dass die Reifen über die mit feinem Sand bepuderte Straße seitlich rutscht. Oh Schreck lass nach. Beim Tankstop müssen wir unbedingt pausieren. Alle sind angestrengt.
Beschäftigt man sich nicht mit dem Ramadan, so bleibt er unverständlich. Fast alle Lebensmittelgeschäfte sind am Tag geschlossen. Ob man in den kleinen Werkstätten wegen des Fastentages ruht oder aus Auftragsmangel ist nicht erkennbar. Oft wird auch gearbeitet. Nicht überall bekommen wir einen Kaffee. Kommt die Zeit des Sonnenuntergangs, wird es auf den Straßen ruhig, fast menschenleer. Jetzt bekommt der Ungläubige nichts. Erschallt der Ruf vom Minarett bricht man gemeinsam das Fasten, erst danach nimmt der Wirt die Essenbestellung auf. Vor 19:30 kommt nichts auf den Tisch. Ausgenommen sind Touristenorte wie Marrakesch. (Da herrscht eben Unzucht und Sittenverfall...hätten wir noch bleiben sollen???)
Beginnender Reiseausklang. Bei der Hotelsuche könnten wir uns nicht so schnell einigen. Das einfache Hotel in Safi entsprach nicht den Ansprüchen von Klaus und mir nach Meeresnähe. Also suchten wir wenig erfolhteich weiter. Weil es vernünftig war, fuhren wir wieder zurück nach Safi. In der Stille des Ramadanabends hofften wir auf eine Gaststätte, wir waren zu früh. Später im Hotelrestaurant gab es Suppe, Rindfleisch am Spieß, Datteln und Pommes.
Rüdiger mit Frühstückstablett

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