Die Zeitg weht wie der Saharawind dahin.
Die Ausläufer eines atlantischen Tiefdruckgebietes haben zwischen Sonne und Erde einen grauen Schleier gebundenen Wassers geschoben. Dem heißen Gestirn ist der Blick auf die Erde an dieser Stelle verwehrt. Reste antarktischer Schneekälte weht mit dem Wind und Klaus hat wieder zwei paar lange Unterhosen an. Später, als der Sonnenglanz fast senkrecht auf die Wolkenschicht traf, lösten sich einzelne graue Flächen auf.
Unsere Route sollte heute ein wenig abenteuerlicher werden. Tschechische Biker hat uns den Tipp gegeben, dass am Plage Blanche bei Ebbe der Strand gut zu befahren sei. Das wollten sich Klaus und ich nicht entgehen lassen. Kudel war wegen des Salzwassers zurückhaltend. Also auf der N 1 zurück Richtung Guelmin. Irgendwann wies uns der Weg auf die R 109 dem Atlantic entgegen. Wunderbar rankte sich das schmale Asphaltband durch die lehmbraune Landschaft. Hofstellen mit ihren geschachtelten Gebäuden, die sich durch Lehmmauern sichern, schufen dem Auge abwechslung. Der

Reste der Flussfeuchte wird vom Gemüse der schmalen Feldern aus dem Boden gesaugt. Es gibt den Bauern Weiterleben. Oft winkt man uns zu oder zeigt Gesten der Wertschätzung. Hinter dem letzten Dorf endet der glatte Straßenbelag. Glatt gefahrene Piste beginnt, rechts und links wächst Bambus, hoch und robust. Wir sind noch auf der R 109. Die Piste wird ruppiger, Schotter in ausgewaschenen kleinen Regenfurchen. Die Spur will gut gewählt sein. Wieder eine Kurve, nicht einsehbar. Plötzlich quert ein Bachbett die Straße. Es ist gut einen Meter tief ausgewaschen. Lose Gesteinsbrocken künden von rutschigem Vorankommen. Nicht zu stark in die Bremse, schalten, Weg suchen, man muss gleich wissen, wo es weiter gehen soll. Vorsichtig Gas geben, nicht zu viel, auch nicht zu wenig. Das Hinterrad verspringt, weil ein Stein angefahren wurde. Lenker laufen lassen. Nicht zu stark gegensteuern. Die Maschine etwas drücken, weil es auch gleich wieder um die Kurve geht. Etwas übersichtlicher, mehr Gas, schalten. Ausgewaschene Spurrinnen in der nächsten Kurve, es geht bergauf. Kollerndes Gestein unter dem Profil, wo ist die Bahn gut fahrbar? Kupplung schleifen lassen, nicht zu viel Druck auf das Hinterrad. Geschafft. Das nächste Bachbett kommt von schräg vorne auf die Straße zu. Tief ausgewaschen, der letzte Regen hat Steine und Lehmreste hinterlassen. Rutschig oder fest? Gut, es ist fest. Das Mopped poltert in die Bachflanke, da muss der Druck mehr Richtung Hang gehen, am trockenen Bachgrund ist sofortiger Gewichtswechsel nötig. Das Gas muss reichen um die 375 kg hoch zu schieben. Sand dahinten, Gewicht nach hinten verlegen, möglichst über die nicht so dicken Stellen fahren. Hält das Hinterrad? Jetzt poltert es wieder unter den Reifen. Frei gewaschene Felspartien warten auf den Gummi, blank wie Spiegelflächen. Dicht am Rand wirkt es erdinger, das müsste besser gehen aber man fährt auch am Rand. Das Mopped brummt darüber. Eine Steile Felsflanke schien sich in den Weg, um die Ecke geht es hoch, wie weit und wie?

Wir steigen ab und laufen die Strecke ab. Eine brenzlige Stelle. Wie Schiefer geschichteter Stein, von Urgewalten vor tausenden von Jahren fast senkrecht hochgeschoben durchschneidet den Weg an mehreren Stellen. Dazwischen lockeres Bruchfeld. Es müsste gehen. Die richtige Drehzahl und gefühlvolles Kupplungsspiel bringt die Kraft auf das Hinterrad. Der Lenker zerrt in die falsche Richtung, zwingen und fahren lassen sind gleichzeitig gefordert. Das Frontrad rutscht in eine Sicke und schiebt sich dem Rand zu. Der Herzschlag steigt, in den Handschuhen wird es feucht. Wie schön doch die Landschaft ist. Es geht an der Kante eine trockene Steppe hinunter. Da ist eine Lücke im geschiefertem Gestein, hinschauen und gleich weiter suchen. Zack, dass Lenkrad schert aus und es geht auf dem Fahrweg weiter. Geht doch... Zwischen durch wieder einige Passagen zum Erholen. Dann verliert sich die Straße im Gewirr von Steinen, flachen Büschen und lehmigen Sand. Das Navi sagt, hier muss eine Straße sein. Dort eine alte Stegspur. Kann das sein? Karte und Kompass raten uns zu. Wir fahren, denn in der Ferne winkt eine glatte Fahrbahn.



Noch ist nicht alles geschafft. Es gibt eine Passage, da schieben wir die Moppeds hinunter. Zu steil, zu ausgewaschen, zu glatt...die Strandfahrt lassen wir ausfallen.
Unten kochen wir einen Kaffee, trotz Ramadan. Die N 12 begleitet uns über Sidi Ifni bis Mirhleft. Wir sind angestrengt. Die Hotelsuche ist nicht mehr optimiert. Besser als nichts, so ist das Hotel mit seinem schönen Gartenbereich ganz nett.
In dem runtergewirtschafteten und mangelhaft sauberen Schlafbereichen ist es eine grenzwertige Übernachtung. Der Schlafsack tut seine Dienste. Am Morgen hatten wir keinen Besuch von klitzekleinen Gästen zu verzeichnen und so kann es ganz gemütlich die gut zu fahrende und landschaftlich wundervolle Straße R104 nach Tafraoute gehen. Wir bleiben dort, wo es schon einmal schön war.