Montag, 27. Mai 2019

Abschied von Marokko

Wir sind gut bis zum Schiff gekommen. Müssen noch lange warten, bis es los geht.

Ein Bootsfahrt die ist lustig... Wir sind noch bis Donnerstag früh auf dem Dampfer. Heute am Mittwoch hat das Boot früh in Barcelona angelegt. Ein Zwischenstopp. Es dauert.ehe es weiter geht. Hier an Bord verbringt man die Zeit mit dem Warten auf das nächste einfache Mahl. Es wird  im Selbstbedienungs Restaurant eingenommen und ist von einfacher Qualität. Mit einem Bierchen oder Wein lässt es sich runterspülen.
Meine Großmutter hatte für jede Lebenslage einen Ratspruch. Z.B.:"Wenn gefeiert B6 wird musst du mitfeiern oder nach Hause gehen." Der Spruch stammt vom Cicero. So ist es auch mit einer solchen Reise. Man kommt zusammen, um Mopped zu fahren. Entweder soll man die Lust des Moppedfahrens in der Gesellschaft mit anderen genießen oder wenn man die Lust, so zu reisen nicht ertragen kann, sollte man alleine fahren. Wir fuhren bis zum Ende zusammen. Also gehe ich davon aus, dass wir.gemeinsam Spaß hatten. Die vier Wochen sind schnell vergangen. Wir hoffen auf einen guten Heimweg. Denken wir später an die Reise, wird sich ergeben, dass sich Freude einstellt, weil wir an etwas Schönes denken.

Sonntag, 26. Mai 2019

Abschied nehmen in der Erntezeit

Die Gesprächsthemen ändern sich. Wie wird das Wetter in Italien sein, kommen wir trocken nach Hause? Ist der Sekt schon kalt gestellt?
Wie organisieren wir die Hafeneinfahrt mit der Kontrolle? Wann sollten wir dort sein...

Der Atlantic schickte seine Wellen rhythmisch an die felsig sandige Küste. Das ständige Schlagen und Schäumen wiegte uns in den Schlaf. Die Strecke nach Chefchauen ist lang, Frühes Aufstehen bringt Vorteile. Von Skhirat führt eine kleine Straße zur R 404 bis Khemisset. Die N 6, windet sich durch eine ganz wunderbare Landschaft und bringt uns bis Meknes. Wir sehen noch einmal das eindrucksvolle Stadttor in der langen und dicken Mauer. Von dort zeigt die Landesstraße N 13 nach Norden. Sieben einhalb Stunden reine Fahrzeit.
In den ersten fünf Stunden, hatte ich noch Kraft für Landschaftsbetrachtungen. Die Ausläufer des Rifgebirges bringen Wasser in das fruchtbare Land. Schon bald, nach dem wir die Küste des Ozeans verlassen hatten, beherrschten Getreidefelder das weite Land. Die Kornkammer Marokkos. Ungefähr sämtliche Mähdrescher Marokkos müssten wir überholen, so intensiv würde geerntet.
Sanfte Hügel, hin und wieder Lichter Wald,

begleiten uns. Brücken führen über wasserarme Gründe von Flüssen. Die Farben der kleineren Felder changieren zwischen weißgrau, rotbraun und gebrantem Umbra. Dazwischen grüne Hecken, geziert von rosa und violetblauen Blüten. Ein grünes Land zu dieser Zeit. Und doch, kein einfaches Land. An Wasserbecken stehen Esel. In die großen Kanister an ihren Seiten wird Waser geschöpft. Sie laufen mit der kostbaren Last nach Hause. Wie weit wird das sein?

Irgendwann wird es ungemütlich. Zu viele Kilometer, zu lange im Sattel. Dem Hintern ist es zu viel. Er wehrt sich, ruckeln, aufstehen, vor und zurück rutschen, irgendwann hilft nichts mehr. Da hilft auch keine liebliche Landschaft.
Kudret hat eine Übernachtung vorgeschlagen. Am Ortsrand auf dem Berg. Schöne Aussicht über Chefchauen. Wir diskutieren mit Saladin den Preis, kein WiFi, keine Handtücher, beschränktes Bettzeug. Er verspricht Frühstück aus eigener Herstellung: Olivenöl, eingelegte Oliven, Frischkäse vom Schaf, Brot, Kaffe, Tee, Orangensaft...ich habe das Gefühl, dass er seinen neuen Bau abzahlen muss. Im Erdgeschoss schlafen die Schafe, so schlecht kann es nicht sein. Wir bleiben.

Stadtbummel in der "blau weißen Stadt"l und letzte Einkäufe. Klaus lässt sich das Haupthaar und den Bart stutzen. Frauen backen in einem Lehmofen Brot. Sie lassen uns nach ein wenig Zögern zuschauen und schenken uns ein Fladenbrot. Ich bedanke mich mit gepflückten Blumen.

Wir sind gut vorbereitet.

Freitag, 24. Mai 2019

Wellenabendsonne

Zerschlagenes Wasser spritz dort wo die Wellen an den felsigen Strand prallen wie funkelnde Fontänen in die Luft. Strahlen der tiefstehenden Sonne erfüllen die Wassertropfen mit Spiegeln. Ein Sandstrand und doch keiner. Unter dem Sand verbergen sich die abgewaschen Reste des sandigen Gesteins. Dreißig Schwimmstöße breit hat sich zwischen Sand und Felsen eine Lagune ausgewaschen. Jungs spielen am Strand Fussball.

Am Abend staksen weiße Reiher im flachen Wasser umher. Mit schnellem Nicken stechen ihre Schnäbel ins ruhige Wasser. Sie sammeln ihr Abendmahl. Wir sitzen auf der Terrasse ich schauen dem Branden der Wellen zu. Der Horizont wird rosaorange wie der Roséwein den wir uns heute gönnen. Ein schönes Schauspiel bei einem ordentlichen Mahl.
In Casablanca hatten wir das totale Urlaubserlebnis. Wegen des Verkehrs wollten wir nicht in die Stadt hineinfahren. Eine bekannte Hotelkette war das Ziel. Gefahren, gefunden, als zu teuer für das Gebotene befunden. Weiter gefragt, anderes großes Hotel gefunden, nicht preiswerter. Zwei  Busladungen deutscher Touristen am Schalter, alle unser Alter. Im Speisesaal Gemecker über das Buffet. Wir sitzen mit am Tisch, Menschen aus fast allen Teilen Deutschlands fügten sich für eine Woche Besichtigungstour in Marokko zusammen. Sie sind neugierig und erfreuen sich am exotische Land.
Eine Küstenstraße, die R 301, richtet sich von Safi nach Norden aus. Wir wollten Meer. Bäuerliches Ackerland spendet Leben.
 Die Winde des Atlantiks führen  feuchte Luft an die Pflanzen. Auf kleinteilige Feldern sind dunkelgrüne Kohlköpfe gewachsen. An den Tomatenbüschen hänge  grüne Früchte, Zucchini ranken am rostroten Boden und zeige  grotgelbe Trichterblüten. Gelbes Getreide wurde auf größeren Fläche  geerntet. Gebundene Schilfmatten, Hecken und Steinmäuerchen helfen, die fruchtbare Ackerkrume zu halten. In eingefassten Becken ist aus Meerwasser Salz geworden, eine zusätzliche Einnahme. Wir habe es auf dem Tisch. Langgezogene Dünen vor dem Meer schützen die fruchtbaren Flächen zusätzlich. Die mächtigen Sandsammlungen wandern manchmal und begraben Bäume und geduckte Hütten unter sich.
Urlaubsorte wie Sand am Meer, jedoch noch alle geschlossen. Die Saison beginnt erst noch. An dieser schönen Strecke scheitert wieder einmal unser Versuch, ein Bett mit Meeresrauschen zu finden. Es  blieb Casablanca.

Auf der Autobahn  A5 und A 3 geht es aus dem Verkehrsgewirr der Stadt hinaus. Bei Mohammedia biegen wir zum Meer hin ab und nehmen die R 322 Richtung Rabat. Nach der Reisebeschreibung ein teurer Strand zwischen Casablanca und Rabat. Hinter Mauern verbirgt sich einer der edelsten Golfclubs des Landes. Bei Skhirat Plage frage ich im weiß gekalkten fünf Sterne Ressort nach dem Preis. Es ist immer wieder schön, ganz höflich Antworten, die zu teuer sind, zu erhalten. Mit der gleichen Höflichkeit gibt es eine Auskunft zum nächsten, preiswerteren Hotel. Da mache wir nun für zwei Tage Rast.
Die Sonne hatte einen schmalen Streifen Dunkelblauorange am Horizont hinterlassen. Ein ruhiger Anblick nach unserer Strandwanderung.


Marokkanische Rentner

Erste Sterne blinkten. Schwarzblau muss der Himmel werden, damit sich seine unendliche Tiefe zeigt. Unsere vier Wochen lösen sich im Gemenge der Sternenvielfalt auf. Dort oben scheint die Zeit ewig. Alles bleibt wahr, der große Wagen immer am gleichen Ort, das Kreuz des Südens weist seit Jahrtausenden den Weg, verlässlich wahr. Unsere vier Wochen halten sich noch frisch. Die Zeit sei schnell vergangen, meint Klaus, schon vier Wochen rum. Die Wahrheit unserer Erinnerungen bearbeitet sich mit der Zeit. Die zurückblickende Wahrheit spiegelt sich in den Brillen der Ereignisse. Von jeder Brille bleibt etwas hängen. Was wissen wir noch von längst vergangenen vier Wochen?
Wir sind viel im Land umhergefahren. Heiße Gebirge, Wüstenstrecken, Meeresrauschen. Gute Wege, anstrengende Wege. Zusammensein, zusammen schnarchen, zusammen suchen. So geht es noch ein paar Tage. Welche Wahrheit bekommt diese Reise mit der Zeit?




Mittwoch, 22. Mai 2019

Der Saharasand läuft davon



Blumenkinder
Wir sitzen jetzt wieder auf dem Mopped und das ist auch gut so...
Langsam läuft der rote Saharasand aus unseren Köpfen. Sand der märkischen Kiefernwälder füllt die Leerstellen. Bei Klaus sind das die klitzekleinen Schieferplättchen und der Scheuersand vom Bimsgestein und bei Kudret die fluffigen Torfflocken aus dem Alten Land.
Fast in gerader Linie führt Richtung Westen  die N 8, später R 207 nach Essaouira. Teilweise zweispurig wie eine Autobahn ausgebaut. Wir knattern dahin. Abgetragenes und verwitterten Gestein der hinter uns liegenden Gebirge hat eine Fläche geschaffen, die bis zum Atlantik reicht. Selten gibt es Hügel oder es zeige  sich Reste geschichteter Tafelberge. Bei ihnen ist Kalkabbau möglich. Der karstige Boden lässt die Arganen und Olivenbäume leben, Kräuter und Gebüsch ist für die Ziegen da. Die Tiere werden schlau vermarktet.
Als geschickte Kletterer werden sie von den Bauern auf Arganen getrieben. Da stehen sie fotogen rum. Touristenbusse halten extra dort, es wird geselfiet was das Zeug hält. So kommt Geld in der  Umlauf.
Seltsam, was mag ein junger Bursche denken, der auf einem Esel reitet, mit der linken Hand ein Kamel am Strick hinterherzieht und in sein Handy schaut? Sie trotten auf dem Randstreifen der Autobahn ihrer Zukunft entgegen.
Von Essaouira geht es auf der Küstenstraße R 301 gen Norden nach Safi. Dicht am Wasser in einem kaum erkennbaren Fischerdorf, habe sich Windsurfer ein Eldorado geschaffen.
Wie bunte Vögel brettern sie über das kabbelige Wasser. Wir sitzen bei Kaffee und Falafel auf einer Terrasse und schauen zu. Der Versuch, in einem Urlaubsort ein Bett zu finden schlägt fehl. Die Saison ist vorbei oder hat noch nicht begonnen.
Die Fahrt auf der schmalen Küstenstraße ist ungemein anstrengend. Das heiße Land und der kalte Atlantic gebären einen heftigen und böigen Wind. Besonders die schnellen Transporter, die einen Wirbel hinter sich herreißen oder Landecken hinter denen der brausende Wind hervorschießt, zerren giftig am Motorrad. Meine dicke Biene wird so heftig gepackt, dass die Reifen über die mit feinem Sand bepuderte Straße seitlich rutscht. Oh Schreck lass nach. Beim Tankstop müssen wir unbedingt pausieren. Alle sind angestrengt.
Beschäftigt man sich nicht mit dem Ramadan, so bleibt er unverständlich. Fast alle Lebensmittelgeschäfte sind am Tag geschlossen. Ob man in den kleinen Werkstätten wegen des Fastentages ruht oder aus Auftragsmangel ist nicht erkennbar. Oft wird auch gearbeitet. Nicht überall bekommen wir einen Kaffee. Kommt die Zeit des Sonnenuntergangs, wird es auf den Straßen ruhig, fast menschenleer. Jetzt bekommt der Ungläubige nichts. Erschallt der Ruf vom Minarett bricht man gemeinsam das Fasten, erst danach nimmt der Wirt die Essenbestellung auf. Vor 19:30 kommt nichts auf den Tisch. Ausgenommen sind Touristenorte wie Marrakesch. (Da herrscht eben Unzucht und Sittenverfall...hätten wir noch bleiben sollen???)
Beginnender Reiseausklang. Bei der Hotelsuche könnten wir uns nicht so schnell einigen. Das einfache Hotel in Safi entsprach nicht den Ansprüchen von Klaus und mir nach Meeresnähe. Also suchten wir wenig erfolhteich weiter. Weil es vernünftig war, fuhren wir wieder zurück nach Safi. In der Stille des Ramadanabends hofften wir auf eine Gaststätte, wir waren zu früh. Später im Hotelrestaurant gab es Suppe, Rindfleisch am Spieß, Datteln und Pommes.

Rüdiger mit Frühstückstablett

Montag, 20. Mai 2019

Krankenlager in Marrakesch

Da liegen sie nun, hingestreckt von einem Magen-  und Darmfeind des Menschen. Bettruhe ist angesagt. Trockenes Brot, möglichst viel Wasser und ein bisschen Mitleid. Bei Kudret hält sich der Eindringling schon längere Zeit in unterschiedlicher Mannschaftsstärke, bei Klaus ist er zum ersten Mal am Werk.
Während Klaus im Bett bleibt suchen Kudret und ich die rote Touristenbuslinie. Fragen hilft, zwar nicht zur ersten Haltestelle um die Ecke, jedoch zur vierten schaffen wir es. Für 19 € bekommt man ein Zweitagesticket. An jeder Haltestelle kann aus- und eingestiegen werden. Über einen roten Kopfhörer erklärt eine junge Frau die an der Straße liegenden Sehens-würdigkeiten.
Marokko wird seit 300 Jahren vom gleichen Königshaus regiert. Hier nach  Marrakesch kommt der König nur zu Besuch. Ganz ähnlich die vielen Schönen und Reichen, die seit einigen Jahren die 30 km vom Atlasgebirge entfernte Stadt zur Sommerfrische erkoren haben. (Also, wir sind hier zusammen mit einem gewissen Yves S.L., einer N. Campbell, Madonna und jetzt auch noch J.-P. Cartier, um nur einige zu nennen.) Ist auch kein Wunder, hat doch der alte Churchill hier bereits lange Zeit im besten Hotel am Platz ("le Mamounia") schöne Bilder gemalt. Im neuen Teil der Stadt haben französische Architekten die Lehmfarben des Landes in teuere Wohnquartiere gegossen. Sehr schick und gediegen. Hier, nicht weit vom Hotel entfernt wurde die WHO gegründet. Reist man durchs Land, kommen Zweifel auf, ob deren Gründung so gut für die Landbevölkerung war.
Jetzt tut man Alles, um Touristen aus allen Ländern anzulocken. Aus alter Verbundenheit sind Franzosen in der Mehrzahl. Mit ihrer Sprache kommt man ganz gut im Land zurecht. Sehenswüdigkeiten werden zum Weltkulturerbe, Museen herausgeputzt und der Flughafen erfolgreich erweitert. Die Altstadt ist mit einer sehr langen dicken Mauern umfangen. Stein, Lehm und Kalk sind ihre Bestandteile. Außen wurden immer wieder Löcher eingearbeitet. Dort nisten die Vögel aber nicht nur das, die Vertiefungen dienen dem Spannungsausgleich bei Temperaturunterschieden. So bleibt das Bauwerk rissfrei.

Die Sukss sindgroßzügiger als in Fes, Marrakesch ist häufiger nach Zerstörungen wieder errichtet worden. An restaurieren Riads, das sind traditionelle Wohnhauser, die mit einer Mauer umgeben sind, zeigt sich die Vermarktung der Altstadt. Es sieht schön aus, ordentlich und die Besucher*innen bringen Geld mit. Touristischer Treffpunkt ist der Platz Djemaa el-Fna. Auf ihm treiben laufende Händler und
Schlangenbeschwörer ihren Unfug mit den Reisenden. Überwiegend junges und Rentnervolk lässt sich durch die Gassen treiben. So wie wir. Hier schadet der Ramadan dem Geschäft nicht, in den Lokalen wird den ganzen Tag gespeist und getrunken. Alah ist mächtig.



Shoppen orientalisch

Innenhof eines Riad

So lebte man einstmals

Moderner Teppich






Sonntag, 19. Mai 2019

Wenn das Mopped dreimal hustet

Vollmond. Das gespiegelte Licht der Sonne, es kommt weit her von der anderen Seite des Alls, hat einen Schimmer wie ein reifes Weizenfeld. Dem Dunkel der Felsabbrüche werden Konturen eingehaucht. Bäume und Büche zeigen die Eigenheiten ihres Ansehens. Der große Wagen hat heute weniger Tiefe.

Eine wiedereinmal kurvenreiche Strecke auf 2100 m hinauf lag hinter uns. Vom Surfereldorado Tagazout,
wo wir im Hostel unter Wellenreiter*innen weilten, fuhren wir auf der Nationalstraße um Agadir herum. Früh hält sich der Verkehr zurück. Bei Inezagane wechselten wir auf die N 10 gen Osten ins Atlasgebirge. Wir hatten uns entschieden, doch in Marrakesch  vorbei zu schauen. Die N 10 gehört zu den ausgebauten Straßen. Es rollt sich gut voran. Rechts und links wieder die gesteinigte Wüste, in der sich Ziegenherden an dörren Gräsern und hartem Buschholz nähren. Arganen wechseln mit den genügsamen Olivenbäumen. Lange zeigen sich die Gipfel des Hohen Atlas im Dunst der Mittagssonne. In den kleinen Städten, dort wo sich Bergwasser im Grund sammelt, blühen rosafarbene Oleander Büsche. Sie erfreuen den Fahrer. Nach 130 km wechseln wir auf die R 203. Sie gehört zu den Wegen, denen auf der Karte ein grüner Streifen beigefügt wurde. Als besonders schön ist sie damit geadelt. Wie stets beginnt die Straße mit einer Breite von zwei Lastwagen. Kritische Ränder sind gut befestigt. Erstaunlich, Kiefern und die mediterranen Steineichen stehen zu einem lichten Wald zusammen. An anderen Strecken begleiten Olivenhaine und Mandelplantagen den Fahrer. Lehmrotbraun herrscht auch hier vor. Langsam klingt das frühe Jahr aus, Blumen  und Gehölze zeigen ihre letzte Blütenpracht. Kurven, manche eng und bissig, Serpentinen wechseln mit rhythmischen Bögen ab.
Man kann lustvoll flott fahren oder geruhsam und dabei einen Blick auf die Landschaft richten.

Und dann ist es wieder da. Klaus steht am Straßenrand. Sein Motor hat sich wieder ausgeschaltet. Mitten im Fahren, schlecht, wenn es gerade eine Serpentine hinaufgeht oder ein Laster entgegenkommt. Inzwischen hat er bei seiner BMW F 800 GS dieBenzinpumpe ausgebaut, Filter gereinigt und die Tankentlüftung verbessert. Ohne Erfolg. Das nervt. Immer am Nachmittag, wenn die Temperaturen auf 40 Grad und mehr steigen, passiert das. So bleiben wir im Hotel am Pass "Tin Mal" auf 2100 Metern. Die Motorräder können in einer großen Garage abgestellt werden, in der Rauch zwei Hähne leben. Sie sind mit Strippen an den Füßen gefesselt. Am Abend gab es Tajine Pollo und so war am Morgen nur noch ein Hahn am Leben. Von hier oben schaut man weit über das flache Land aus dem sich der Hohe Atlas aufrichtet. Ein Dichter Dunstschleier trübt die Sicht.

Nach ordentlichem Frühstück bollern wir weiter. Dicke Laster  und das wilde Winterwetter haben der schmalen Straße zugesetzt. An manchen Stellen ist der Belag nur noch in zwei Metern Breite vorhanden. Kommt ein dicker Brummer entgegen, muss in den Schotter ausgewichen werden. Schlaglöcher sind geflickt oder offen. Aber die Landschaft ist wundervoll. Die Farben der Bergrücken haben hier ein rotbraun, welches mit einem purpurnen Königsblau untermalt ist. In Dorfnähe überholt man mit Grünschnitt hochbeladene Esel, die hier nach wie vor beliebte Transporttiere sind.  Zur Not trägt so ein Tier Klaus Mopped zum nächsten Dorfschmied.

Unbeschadet erreichen wir Marrakesch und lassen die  mit Restschnee bedeckten Gipfel hinter uns.
Kudret hat's erwischt, ihm ist nicht gut. Klaus hatte es heute morgen und ich sprach:"Gewährt mir die Bitte, nicht zu seien in eurem Bund der Dritte." Mal sehen, was sie so machen. Drückt die Daumen...
Blumengruß an unsere Frauen die so
tapfer zu Hause auf uns warten. Wir sind auf dem
Rückweg und freuen uns auf euch.





Donnerstag, 16. Mai 2019

Über Stock und Stein

Die  Zeitg weht wie der Saharawind dahin.
Die Ausläufer eines atlantischen Tiefdruckgebietes haben zwischen Sonne und Erde einen  grauen Schleier gebundenen Wassers geschoben. Dem heißen Gestirn ist der Blick auf die Erde an dieser Stelle verwehrt. Reste antarktischer Schneekälte weht mit dem Wind und Klaus hat wieder zwei paar lange Unterhosen an. Später, als der Sonnenglanz fast senkrecht auf die Wolkenschicht traf, lösten sich einzelne graue Flächen auf.
Unsere Route sollte heute ein wenig abenteuerlicher werden. Tschechische Biker hat uns den Tipp gegeben, dass am Plage Blanche bei Ebbe der Strand gut zu befahren sei. Das wollten sich Klaus und ich nicht entgehen lassen. Kudel war wegen des Salzwassers zurückhaltend. Also auf der N 1 zurück Richtung Guelmin. Irgendwann wies uns der Weg auf die R 109 dem Atlantic entgegen. Wunderbar rankte sich das schmale Asphaltband durch die lehmbraune Landschaft. Hofstellen mit ihren geschachtelten Gebäuden, die sich durch Lehmmauern sichern, schufen dem Auge abwechslung. Der
Reste der Flussfeuchte wird vom Gemüse der schmalen Feldern aus dem Boden gesaugt. Es gibt den Bauern Weiterleben. Oft winkt man uns zu oder zeigt Gesten der Wertschätzung. Hinter dem letzten Dorf endet der glatte Straßenbelag. Glatt gefahrene Piste beginnt, rechts und links wächst Bambus, hoch und robust. Wir sind noch auf der R 109. Die Piste wird ruppiger, Schotter in ausgewaschenen kleinen Regenfurchen. Die Spur will gut gewählt sein. Wieder eine Kurve, nicht einsehbar. Plötzlich quert ein Bachbett die Straße. Es ist gut einen Meter tief ausgewaschen. Lose Gesteinsbrocken künden von rutschigem Vorankommen. Nicht zu stark in die Bremse, schalten, Weg suchen, man muss gleich wissen, wo es weiter gehen soll. Vorsichtig Gas geben, nicht zu viel, auch nicht zu wenig. Das Hinterrad verspringt, weil ein Stein angefahren wurde. Lenker laufen lassen. Nicht zu stark gegensteuern. Die Maschine etwas drücken, weil es auch gleich wieder um die Kurve geht. Etwas übersichtlicher, mehr Gas, schalten. Ausgewaschene Spurrinnen in der nächsten Kurve, es geht bergauf. Kollerndes Gestein unter dem Profil, wo ist die Bahn gut fahrbar? Kupplung schleifen lassen, nicht zu viel Druck auf das Hinterrad. Geschafft. Das nächste Bachbett kommt von schräg vorne auf die Straße zu. Tief ausgewaschen, der letzte Regen hat Steine und Lehmreste hinterlassen. Rutschig oder fest? Gut, es ist fest. Das Mopped poltert in die Bachflanke, da muss der Druck mehr Richtung Hang gehen, am trockenen Bachgrund ist sofortiger Gewichtswechsel nötig. Das Gas muss reichen um die 375 kg hoch zu schieben. Sand dahinten, Gewicht nach hinten  verlegen, möglichst über die nicht so dicken Stellen fahren. Hält das Hinterrad? Jetzt poltert es wieder unter den Reifen. Frei gewaschene Felspartien warten auf den Gummi, blank wie Spiegelflächen. Dicht am Rand wirkt es erdinger, das müsste besser gehen aber man fährt auch am Rand. Das Mopped brummt darüber. Eine Steile Felsflanke schien sich in den Weg, um die Ecke geht es hoch, wie weit und wie?
Wir steigen ab und laufen die Strecke ab. Eine brenzlige Stelle. Wie Schiefer geschichteter Stein, von Urgewalten vor tausenden von Jahren fast senkrecht hochgeschoben durchschneidet den Weg an mehreren Stellen. Dazwischen  lockeres Bruchfeld. Es müsste gehen. Die richtige Drehzahl und gefühlvolles Kupplungsspiel bringt die Kraft auf das Hinterrad. Der Lenker zerrt in die falsche Richtung, zwingen und fahren  lassen sind gleichzeitig gefordert. Das Frontrad rutscht in eine Sicke und schiebt sich dem Rand zu. Der Herzschlag steigt, in den Handschuhen wird es feucht. Wie schön doch die Landschaft ist. Es geht an der Kante eine trockene Steppe hinunter. Da ist eine Lücke im geschiefertem Gestein, hinschauen und gleich weiter suchen. Zack, dass Lenkrad schert aus und es geht auf dem Fahrweg weiter. Geht doch... Zwischen durch wieder einige Passagen zum Erholen. Dann verliert sich die Straße im Gewirr von Steinen, flachen Büschen und lehmigen Sand. Das Navi sagt, hier muss eine Straße sein. Dort eine alte Stegspur. Kann das sein? Karte und Kompass raten uns zu. Wir fahren, denn in der Ferne winkt eine glatte Fahrbahn.



Noch ist nicht alles geschafft. Es gibt eine Passage, da schieben wir die Moppeds hinunter. Zu steil, zu ausgewaschen, zu glatt...die Strandfahrt lassen wir ausfallen.
Unten kochen wir einen Kaffee, trotz Ramadan. Die N 12 begleitet uns über Sidi Ifni bis Mirhleft. Wir sind angestrengt. Die Hotelsuche ist nicht mehr optimiert. Besser als nichts, so ist das Hotel mit seinem schönen Gartenbereich ganz nett.
 In dem runtergewirtschafteten und mangelhaft sauberen Schlafbereichen ist es eine grenzwertige Übernachtung. Der Schlafsack tut seine Dienste. Am Morgen hatten wir keinen Besuch von klitzekleinen Gästen zu verzeichnen und so kann es ganz gemütlich die gut zu fahrende und landschaftlich wundervolle Straße R104 nach Tafraoute gehen. Wir bleiben dort, wo es schon einmal schön war.

Abschied von Marokko

Wir sind gut bis zum Schiff gekommen. Müssen noch lange warten, bis es los geht. Ein Bootsfahrt die ist lustig... Wir sind noch bis Don...