Sonntag, 19. Mai 2019

Wenn das Mopped dreimal hustet

Vollmond. Das gespiegelte Licht der Sonne, es kommt weit her von der anderen Seite des Alls, hat einen Schimmer wie ein reifes Weizenfeld. Dem Dunkel der Felsabbrüche werden Konturen eingehaucht. Bäume und Büche zeigen die Eigenheiten ihres Ansehens. Der große Wagen hat heute weniger Tiefe.

Eine wiedereinmal kurvenreiche Strecke auf 2100 m hinauf lag hinter uns. Vom Surfereldorado Tagazout,
wo wir im Hostel unter Wellenreiter*innen weilten, fuhren wir auf der Nationalstraße um Agadir herum. Früh hält sich der Verkehr zurück. Bei Inezagane wechselten wir auf die N 10 gen Osten ins Atlasgebirge. Wir hatten uns entschieden, doch in Marrakesch  vorbei zu schauen. Die N 10 gehört zu den ausgebauten Straßen. Es rollt sich gut voran. Rechts und links wieder die gesteinigte Wüste, in der sich Ziegenherden an dörren Gräsern und hartem Buschholz nähren. Arganen wechseln mit den genügsamen Olivenbäumen. Lange zeigen sich die Gipfel des Hohen Atlas im Dunst der Mittagssonne. In den kleinen Städten, dort wo sich Bergwasser im Grund sammelt, blühen rosafarbene Oleander Büsche. Sie erfreuen den Fahrer. Nach 130 km wechseln wir auf die R 203. Sie gehört zu den Wegen, denen auf der Karte ein grüner Streifen beigefügt wurde. Als besonders schön ist sie damit geadelt. Wie stets beginnt die Straße mit einer Breite von zwei Lastwagen. Kritische Ränder sind gut befestigt. Erstaunlich, Kiefern und die mediterranen Steineichen stehen zu einem lichten Wald zusammen. An anderen Strecken begleiten Olivenhaine und Mandelplantagen den Fahrer. Lehmrotbraun herrscht auch hier vor. Langsam klingt das frühe Jahr aus, Blumen  und Gehölze zeigen ihre letzte Blütenpracht. Kurven, manche eng und bissig, Serpentinen wechseln mit rhythmischen Bögen ab.
Man kann lustvoll flott fahren oder geruhsam und dabei einen Blick auf die Landschaft richten.

Und dann ist es wieder da. Klaus steht am Straßenrand. Sein Motor hat sich wieder ausgeschaltet. Mitten im Fahren, schlecht, wenn es gerade eine Serpentine hinaufgeht oder ein Laster entgegenkommt. Inzwischen hat er bei seiner BMW F 800 GS dieBenzinpumpe ausgebaut, Filter gereinigt und die Tankentlüftung verbessert. Ohne Erfolg. Das nervt. Immer am Nachmittag, wenn die Temperaturen auf 40 Grad und mehr steigen, passiert das. So bleiben wir im Hotel am Pass "Tin Mal" auf 2100 Metern. Die Motorräder können in einer großen Garage abgestellt werden, in der Rauch zwei Hähne leben. Sie sind mit Strippen an den Füßen gefesselt. Am Abend gab es Tajine Pollo und so war am Morgen nur noch ein Hahn am Leben. Von hier oben schaut man weit über das flache Land aus dem sich der Hohe Atlas aufrichtet. Ein Dichter Dunstschleier trübt die Sicht.

Nach ordentlichem Frühstück bollern wir weiter. Dicke Laster  und das wilde Winterwetter haben der schmalen Straße zugesetzt. An manchen Stellen ist der Belag nur noch in zwei Metern Breite vorhanden. Kommt ein dicker Brummer entgegen, muss in den Schotter ausgewichen werden. Schlaglöcher sind geflickt oder offen. Aber die Landschaft ist wundervoll. Die Farben der Bergrücken haben hier ein rotbraun, welches mit einem purpurnen Königsblau untermalt ist. In Dorfnähe überholt man mit Grünschnitt hochbeladene Esel, die hier nach wie vor beliebte Transporttiere sind.  Zur Not trägt so ein Tier Klaus Mopped zum nächsten Dorfschmied.

Unbeschadet erreichen wir Marrakesch und lassen die  mit Restschnee bedeckten Gipfel hinter uns.
Kudret hat's erwischt, ihm ist nicht gut. Klaus hatte es heute morgen und ich sprach:"Gewährt mir die Bitte, nicht zu seien in eurem Bund der Dritte." Mal sehen, was sie so machen. Drückt die Daumen...
Blumengruß an unsere Frauen die so
tapfer zu Hause auf uns warten. Wir sind auf dem
Rückweg und freuen uns auf euch.





2 Kommentare:

Daniela und Martin hat gesagt…

Liebe Asphaltritter,
man konnte gut nachvollziehen, wie es Euch ergangen ist offroad! Der Sand, die Steine, loses Geröll ... Aber Ihr habt ja alles gut gemeistert und wenn Ihr Marokko verlasst, gibt´s da bald keine Hühner mehr (alle aufgegessen von den deutschen Moppedfahrern).
Schönen Gruß an das malerische Marrakesch und weiterhin gute Fahrt.
Daniéla und Martin

Detlev Esch hat gesagt…

Hallo, Ihr genießt also die Gegend und fahrt dementsprechend langsam und vorsichtig,das ist vernünftig. Hallo Klaus, was ist mit deinem Moped,hast du den Fehler gefunden? Du kannst schrauben, da mache ich mir keine Sorgen, viele liebe Grüße, Detlev

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